Licht & Mystik

»Ich bin ein Teil des Teils, der Anfangs alles war,
ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar,
das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht
den alten Rang, den Raum ihr streitig macht.«
Mephistopheles zu Faust, Goethe

"Vom Licht, das in die Finsternis schien, bis zum Licht der Aufklärung spannt sich der Bogen der abendländischen Lichtmetaphysik. Als Gegensatz von Gut und Böse, die an Licht und Finsternis gebunden sind, strahlt er durch die Jahrtausende. Im Licht des Osiris leuchtet er auf, im platonischen Licht der Ideensonne, im Lichte, das in die Finsternis schien, in der augustinischen Illuminationslehre, in Licht und Schatten der dionysischen hierarchia entis, in der Mystik der syrischen Hesychasten, im natürlichen und übernatürlichen Licht thomasischer Geistanschauung, in Meister Eckeharts innerem Lichtfünklein, der scintilla animae, im Licht der Vernunft, das den Siegeszug der neuzeitlichen Naturwissenschaften einleitete, im Licht der Aufklärung, das angemaßte Macht vom Thron stieß und die Altäre unverständlich gewordener Dogmen zertrümmerte." Lorenzo Ravagli

Licht, als dominierendes Motiv im religiösen, gesellschaftlichem und Brauchtums-Kontext manifestiert sich auch bei Düsseldorfer Lichtereignissen wie Feuerwerken, Schützenfesten und St. Martins-Prozessionen.

Die Magie des Lichtes haben die Düsseldorfer Bürger bereits zum Besuch Carl Theodors 1746 für die Illumination ihrer Häuser der Haupt- und Residenzstadt benutzt und in einer einzigartigen Dokumentation, die als erster Lichtmasterplan Europas gewertet werden kann, niedergelegt. Die Düsseldorfer begründeten ihre Begeisterung für das Licht mit Versen von Ovid:

„Es war der Sonnen Hauß geziert mit hohen Säulen;
Es leuchtet als von Gold; Man sah in solchen Steilen
ein Feur, das in der Art gleich dem Carfunckel war.
Ein glanzend Elfenbein deckt seine höchste Zinnen;
Die Pforten stellten uns ein klares Silber dar;
Doch steckte von der Kunst noch grösser Werth darinnen.“

Die Kraft der Illumination fand ihren Niederschlag in illuminierten Transparenten, wie z.B. „Steh auf, o Düsseldorff! du hast lang genug geschlaffen, Die Nacht ist hin; die Sonn will lauter Freude schaffen“.